Die OAE-Tests dienen der Funktionsbeurteilung der äusseren Haarzellen bei verschiedenen Hörstörungen. Auch toxische Nebenwirkungen unterschiedlicher Medikamente, welche zu Innenohrschäden führen können, können allenfalls frühzeitig erkannt werden. Die Otoakustischen Emissionen nehmen mit dem Alter ab.

Der Test der Otoakustischen Emissionen ist eine objektive Untersuchungsmethode, das heisst, der Patient arbeitet nicht aktiv mit und kann daher nicht durch sein Verhalten das Testresultat beeinflussen. Die Ableitung der Otoakustischen Emissionen beruht auf der Tatsache, dass das Ohr nicht nur Geräusche wahrnehmen, sondern auch selbst erzeugen kann (Emission). Diese Emission wird von den äusseren Haarzellen ausgesendet (Vibrationen) und gelangt via Gehörknöchelchen und Trommelfell in den Gehörgang. Diese Schallaussendungen nehmen also den umgekehrten Weg wie ein Ton von aussen. Die äusseren Haarzellen sind in der Hörschnecke in drei Reihen angeordnet und dienen als akustischer Verstärker der Schallwellen innerhalb der Cochlea.
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Zur Messung wird eine kleine Sonde mit einem Ohrstöpsel (Eartips) dicht in den Gehörgang eingeführt. Von der Sonde wird der Stimulus gesendet, der die Emission provozieren soll. Nach korrektem Platzieren der Sonde wird die Messung gestartet. In der Sonde nimmt nun das hochempfindliche Mikrofon die Emissionen auf. Je nach Testprotokoll werden maximal ein bis zwei Minuten lang Stimuli gesendet und versucht die Antwort als Otoakustische Emissionen zu erkennen. Sind diese Emissionen genügend stark, so stoppt beim Screening-Test die Messung – meist nach wenigen Sekunden – automatisch. Beim klinischen Test sucht die Software so lange Emissionen, bis bei allen Frequenzen oder Frequenzbänder eindeutige Emissionen erkannt wurden. Die Software analysiert also das Aufgenommene und unterteilt es in Grundgeräusch und Emission. Die Umgebung muss ruhig sein, damit das hochempfindliche Mikrofon die Emissionen vom Grundgeräusch gut unterscheiden kann. Die Emissionen sind so leise, dass der Mensch diese nicht hört. Bei Neugeborenen findet die Messung am besten im Schlaf am 3 Tag statt. Es sollen auf jeden Fall beide Ohren getestet werden.

Interpretation Messresultate
Die OAE-Untersuchungen geben Aufschluss über die Funktionsfähigkeit der äusseren Haarzellen des Gehörs. Sind genügend Otoakustische Emissionen vorhanden (beim Screening-Test ein Pass/Bestanden/Unauffällig), so ist eine Hörstörung über 30dB unwahrscheinlich (aber nicht unmöglich). Spezifität und Sensitivität der Tests sind jeweils sehr hoch.

Achtung: Der Test sagt nichts über die Funktionsfähigkeit der inneren Haarzellen oder über den Hörnerv aus! Die OAE-Messung ersetzt keine Tonaudiometrie!

Lassen sich keine oder nur ungenügende Otoakustische Emissionen finden, wird der Test bei Neugeborenen später wiederholt. Werden erneut keine Emissionen erkannt, so werden mit Hilfe anderer Testverfahren (DPOAE, Audiometrie, BERA) weitere Untersuchungen durchgeführt.

PDF-Guide über OAE

Der Vorteil von pressurized OAE

Bei einem Unterdruck im Mittelohr, wie man es im Tympanogramm als Typ C (siehe Bild) erkennt, ist die Schallübertragung bei normalem Umgebungsdruck nicht optimal. Wenn wir also in einem solchen Fall OAE messen möchten, tritt auf dem Weg von der Sonde bis zum Innenohr ein Intensitätsverlust auf, da die Schallübertragung eingeschränkt ist. Dies führt dazu, dass die äusseren Haarzellen nur wenig stimuliert werden, und falls dies doch für eine Emission reicht, so hat auch diese auf dem Rückweg vom Innenohr zur Sonde wiederum einen Intensitätsverlust wegen des Drucks im Mittelohr zur Folge. Werden nun keine oder zu wenig starke OAE gemessen, so ist unklar, ob dies wegen dem Unterdruck im Mittelohr ist, oder ob wirklich keine Emissionen vorhanden sind.
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Aus diesem Grund wurden die «Pressurized OAE» entwickelt. Das heisst, bei einem Unterdruck im Mittelohr wird die OAE-Messung bei maximaler Compliance und somit beim Druck mit der besten Schallübertragung durchgeführt. So werden OAE bei einem Tympanogramm Typ C eher erkannt. Das «Pressurized OAE» ist nur bei dem Kombi-Gerät Titan Tympanometer mit OAE verfügbar.

Die unten sichtbaren TEOAE- und DPOAE-Messungen sind vom Patienten mit dem oben abgebildeten Tympanogramm. Die OAE wurden jeweils bei Umgebungsdruck und als «pressurized OAE» gemessen. Es ist klar ersichtlich, dass bei den «pressurized OAE» die Antworten stärker sind.
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Die pressurized OAE sind, da die Messung beim Druck der maximalen Complience erfolgen muss, nur beim Kombigerät Titan Tympanometer mit OAE möglich. Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen das beliebte und bewährte Topgerät Titan.

TEOAE
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  • Click-Stimulus, daher sehr schnell
  • Frequenzunspezifisch
  • Schlecht bei 500Hz
  • Besser bei unter 1‘000Hz als DPOAE
  • Gut bei 1‘500Hz bis 4‘000Hz
  • Schlechter bei über 4‘000Hz als DPOAE
  • Spart Zeit in lärmiger Umgebung

DPOAE
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  • Sinus-Töne als Stimulus, daher etwas langsamer
  • Frequenzspezifisch
  • Schlecht bei 500Hz
  • Schlechter bei unter 1‘000Hz als TEOAE
  • Gut bei 1‘500Hz bis 4‘000Hz
  • Besser bei über 4‘000Hz als TEOAE
  • Spart Zeit in ruhiger Umgebung

Die TEOAE-Messung wird mit einem Click-Stimulus durchgeführt. Durch die Analyse der Reaktionszeit können trotz des Click-Stimulus Rückschlüsse auf die Frequenz gezogen werden, obwohl es eigentlich kein frequenzspezifischer Test wie z.B. DPOAE ist. Der Grund dafür ist, dass hohe Frequenzen in der Cochlea die Haarzellen am Anfang (beim ovalen Fenster) stimulieren und tiefe Frequenzen weiter in die Cochlea eindringen und weiter hinten wahrgenommen werden, und somit eine zeitliche Verzögerung im Vergleich zu hohen Tönen resultiert. Diese Verzögerung kann daher einen Rückschluss über die ungefähre Frequenz geben.

Da alle Frequenzen gleichzeitig gemessen werden, ist es nicht geeignet für die Anwendung in lauter Umgebung.
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TEOAE-Screening

Die TEOAE-Messung ist ein wichtiger Bestandteil des universellen Hörscreenings bei Neugeborenen. Es sollen zwingend beide Ohren getestet werden. Für das Neugeborenen-Screening empfehlen wir Ihnen das sehr benutzerfreundliche Handgerät GSI NovusTM.

Messresultate TEOAE- Screening

Beim Screening kommt ein simples Pass (bestanden) / Refer (nicht bestanden) als Resultat heraus.

Interpretation Messresultate TEOAE-Screening

  • Pass: Genug starke otoakustische Emissionen sind in der vorgegebenen Zeit gefunden worden (z.B. bei 3 von 6 Frequenzbändern werden min. 4dB SNR gemessen)
    => Gute Funktion der äusseren Haarzellen
    => Freier Weg durch Aussenohr und Mittelohr

  • Refer: Es wurden nicht genügend starke otoakustische Emissionen in der vorgegeben Zeit gefunden. Das heisst nicht, dass keine Emissionen vorhanden sind, sondern nur dass keine gefunden werden konnten. Am besten wird der Test zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt.
    ! Vorsicht vor voreiligen Schlussfolgerungen !

Diagnostische TEOAE

Als Resultat erhalten wir hier nicht nur ein Pass/Refer wie beim Screening, sondern genaue Angaben zur Emission und den Störgeräuschen bei dem jeweiligen Frequenzbereich. Zudem können die Testprotokolle modifiziert werden. Für die diagnostische TEOAE haben sich das Tympanometrie-Kombigerät Titan (pressurized OAE möglich!), das Lyra, sowie das Eclipse OAE bewährt. Alle diese Geräte sind vom führenden Hersteller Interacoustics.

Testprotokolle

  • Oft verwendetes Testprotokoll (TE-Gram): 1-4kHz. Sollen mehr Frequenzen getestet werden, so dauert der Test etwas länger.
  • Pressurised TEOAE: Falls beim Tympanogramm die maximale Compliance nicht bei Umgebungsdruck (also ca. 0 daPa) ist, also der Mittelohrdruck nicht ausgeglichen ist, soll der pressurised Test verwendet werden, um den Mittelohrdruck auszugleichen. Somit findet der Test bei maximaler Compliance statt, was korrekter ist.
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    Messresultate diagnostische TEOAE

Graphiken:

  • Stimulus (Pa/ms): Es ist wichtig, dass der Stimulus möglichst schnell wieder auf 0 (= ruhig) ist, da nach 4ms die Messung beginnt
  • Sondencheck (dB SPL/kHz): Prüfung, wie der Click-Stimulus im Ohr präsentiert wird. Die Kurve besteht aus zwei Erhebungen, wobei die erste etwas steiler beginnt und länger ist wie die zweite. Der Höchstteil der ersten Erhebung soll möglichst flach sein. Bei 5kHz gibt es wegen der Resonanz einen Abfall, daher ist DPOAE für hohe Frequenzen (> 4‘000Hz) das bessere Messverfahren.
  • Antwort-Wellenform (mPa/ms): OAE-Messung als Funktion der Zeit, Aufnahmefenster 4ms bis 12ms
  • TE-Antwort (dB SPL/kHz): Vergleich Emission (farbig) zu Grundgeräusch (grau).

Messwerte:

  • SNR oder SRV (dB): engl. Signal to Noise Ratio, auf Deutsch Differenz zwischen Emission und Grundgeräusch. Ist die Differenz genug gross, und somit die Emission eindeutig identifiziert, so wird dies je nach Software durch einen Hacken gekennzeichnet.
  • Damit die Emission klar als Emission erkannt wird, muss sie min. -10dB SPL laut sein

Bei der DPOAE-Messung werden reine Sinustöne als Stimulus verwendet. Mithilfe der DPOAE lassen sich nach und nach verschiedene Frequenzen des Innenohrs überprüfen. Dadurch ergänzt die DPOAE die TEOAE, die frequenzunspezifisch ist.

DPOAE ist der genaueste, objektive Hörtest des Innenohrs, er dauert jedoch länger wie der TEOAE, da die Sinustöne nacheinander gesendet werden müssen und nicht alle Frequenzen durchmischt werden können, wie beim TEOAE. Es werden jeweils zwei simultane Sinustöne f1 und f2 erzeugt. Soll die Frequenz 1kHz getestet werden, so wird der Sinuston f2 = 1‘000Hz und simultan der Sinuston f1 = 818Hz gesendet, wobei f1 mit 65dB um 10dB lauter als f2 mit 55dB SPL gesendet wird. Im Bereich, wo beide diese Frequenzen die äusseren Haarzellen stimulieren, kommt es also zu einer Überlappung (siehe dunkelgrau markierter Bereich im Diagramm). In diesem Bereich der Überlappung produzieren die Haarzellen nicht nur den Ton der beiden Stimuli, sondern auch das Distorsionsprodukt. Dieses Distorsionsprodukt (otoakustische Emission) liegt bei 2 * f1 – f2, also hier bei 636Hz.
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DPOAE-Screening

Für das Screening empfehlen wir Ihnen das sehr benutzerfreundliche Handgerät GSI NovusTM. Dieses ist mit nur TEOAE, nur DPOAE, nur BERA oder mit einer Kombination dieser Messverfahren erhältlich.

Messresultate DPOAE-Screening

Beim Screening kommt ein simples Pass / Refer als Resultat heraus.
Interpretation Messresultate DPOAE-Screening

  • Pass: Genug starke otoakustische Emissionen sind in der vorgegebenen Zeit gefunden worden (z.B. bei 3 von 4 Frequenzen werden min. 6dB SNR gemessen)
    => Gute Funktion der äusseren Haarzellen
    => Freier Weg durch Aussenohr und Mittelohr
  • Refer: Es wurden nicht genügend starke otoakustische Emissionen in der vorgegeben Zeit gefunden. Das heisst nicht, dass keine Emissionen vorhanden sind, sondern nur dass keine gefunden werden konnten. Am besten wird der Test zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt.
    ! Vorsicht vor voreiligen Schlussfolgerungen !

Diagnostische DPOAE
Als Resultat erhalten wir hier nicht nur ein Pass/Refer wie beim Screening, sondern genaue Angaben zur Emission und den Störgeräuschen bei der jeweiligen Frequenz. Zudem können die Testprotokolle modifiziert werden. Für die diagnostische DPOAE haben sich das Tympanometrie-Kombigerät Titan (pressurized OAE möglich!), das Lyra, sowie das Eclipse OAE bewährt. Alle diese Geräte sind vom führenden Hersteller Interacoustics.

Test-Protokolle

  • Oft verwendetes Testprotokoll (DP-Gram): 1-6kHz. Sollen mehr Frequenzen getestet werden, so dauert der Test etwas länger.
  • Pressurised DPOAE: Falls beim Tympanogramm die maximale Compliance nicht bei Umgebungsdruck (also ca. 0 daPa) ist, also der Mittelohrdruck nicht ausgeglichen ist, soll der pressurised Test verwendet werden, um den Mittelohrdruck auszugleichen. Somit findet der Test bei maximaler Compliance statt, was korrekter ist.
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Messresultate diagnostische DPOAE

Graphiken:

  • Schalldruckpegel (dB SPL/kHz): Die Sinustöne f1 und f2 müssen zwischen den grauen Balken sein und die Emission muss sichtbar links von f1 (blau bzw. rot gekennzeichnet) sein
  • DP-Antwort (dB SPL/kHz): Vergleich Emission (rot bzw. blau) zu Grundgeräusch (grau).

Messwerte:

  • SNR oder SRV (dB): engl. Signal to Noise Ratio, auf Deutsch Differenz zwischen Emission und Grundgeräusch. Ist die Differenz genug gross, und somit die Emission eindeutig identifiziert, so wird dies je nach Software durch einen Hacken gekennzeichnet.
  • Damit die Emission klar als Emission erkannt wird, muss sie min. -10dB SPL laut sein